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Militärunterlagen in der Ahnenforschung

Militärakten enthalten, was Kirchenbüchern oft fehlt: den genauen Geburtsort. Für Familien, deren Spur sich in einer Großstadt verliert, sind sie manchmal die einzige Rettung.

Beitrag

Nahezu jeder männliche Vorfahr des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war gemustert, viele haben gedient. Die Wehrpflicht erfasste damit einen erheblichen Teil der männlichen Bevölkerung — und die Militärverwaltung schrieb genauer auf als die meisten anderen Behörden.

Die wichtigsten Bestandsarten

Stammrollen und Kriegsstammrollen

Die Personalakte des einfachen Soldaten. Sie nennt Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Religion, Beruf, Namen der Eltern, Körpergröße, besondere Kennzeichen sowie den gesamten Dienstverlauf. Für die Genealogie ist vor allem der Geburtsort entscheidend: Er verweist auf das Kirchspiel, in dem weitergesucht werden muss.

Musterungs- und Rekrutierungslisten

Erfassen auch die, die nicht dienten. Weil jeder Jahrgang gemustert wurde, sind diese Listen fast eine Volkszählung der jungen Männer eines Bezirks.

Verlustlisten des Ersten Weltkriegs

Zwischen 1914 und 1919 amtlich veröffentlicht, verzeichnen sie Gefallene, Verwundete, Vermisste und Gefangene mit Name, Dienstgrad, Einheit und Heimatort. Sie sind vollständig digitalisiert und über das Portal des Vereins für Computergenealogie kostenfrei durchsuchbar — eine der ergiebigsten Online-Quellen der deutschen Genealogie überhaupt.

Gräbernachweise

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge führt eine Gräbersuche für beide Weltkriege. Sie nennt Geburts- und Todesdatum sowie den Bestattungsort — und liefert damit Sterbedaten, die in keinem Standesamtsregister stehen, weil der Tod im Feld eintrat.

Wo die Bestände liegen — und wo nicht

Hier steht ein Verlust im Weg, den man kennen muss: Das Heeresarchiv Potsdam wurde im April 1945 durch Bombentreffer und Brand weitgehend zerstört. Damit ging ein großer Teil der preußischen Militärakten unwiederbringlich verloren.

Erhalten geblieben ist, was außerhalb Preußens lag oder anderswo lagerte:

  • Bayern — Kriegsarchiv im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, München. Sehr gut erhalten.
  • Württemberg — Hauptstaatsarchiv Stuttgart.
  • Baden — Generallandesarchiv Karlsruhe.
  • Sachsen — Hauptstaatsarchiv Dresden.
  • Reichsarchiv- und Bundesbestände — Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv in Freiburg.
  • Zweiter Weltkrieg — die Deutsche Dienststelle, heute Teil des Bundesarchivs, für Auskünfte zur Wehrmacht.
Wann Militärakten den Fall lösen Typischer Fall: Ein Vorfahr taucht ab 1890 in Berlin auf, heiratet dort, stirbt dort — aber wo er herkam, sagt kein Eintrag. Die Stammrolle seines Regiments nennt den Geburtsort im Kreis Schwetz. Damit ist die Linie wieder offen.

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