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Nachnamen

Warum Namen unterschiedlich geschrieben wurden

Es lag nicht an Nachlässigkeit. Es lag daran, dass fast niemand seinen eigenen Namen schreiben konnte — und der, der es tat, ihn nur gehört hatte.

Beitrag

Der vorige Beitrag zeigt, dass Namen ihre Schreibung wechselten. Dieser erklärt, warum — denn wer die Gründe kennt, kann die Varianten vorhersagen, statt sie zufällig zu finden.

1. Die Betroffenen konnten nicht schreiben

Bis ins 19. Jahrhundert war ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung des Lesens und Schreibens nicht mächtig. Wer seinen Namen nicht schreiben konnte, konnte auch nicht widersprechen, wenn er falsch geschrieben wurde. In Trauregistern findet sich statt der Unterschrift häufig ein Kreuz mit dem Zusatz „handzeichen des Brautigams, so nicht schreiben kann“.

Damit lag die Schreibung vollständig beim Amtsträger — und die Familie erfuhr oft nie, wie ihr Name im Buch stand.

2. Geschrieben wurde nach Gehör

Der Pfarrer hörte einen Namen und übertrug ihn in Schrift. Wie er das tat, hing von seinem eigenen Sprachraum ab. Norddeutsches „Gaudecker“ wird bei einem süddeutschen Schreiber zu „Kautecker“. Ein niederdeutsches langes o wird mal oo, mal oh, mal einfach o geschrieben.

3. Der Schreiber wechselte

Ein Kirchenbuch umfasst oft hundert Jahre und ein Dutzend Pfarrer. Jeder brachte seine eigene Rechtschreibung mit. Ein Namenswechsel im Buch fällt deshalb häufig genau mit einem Pfarrerwechsel zusammen — ein Muster, das man erkennt, sobald man darauf achtet.

4. Die Kurrentschrift verwechselt Buchstaben

Ein erheblicher Teil der Varianten entstand nicht beim Schreiben, sondern beim späteren Lesen. In der deutschen Kurrentschrift sehen mehrere Buchstaben einander zum Verwechseln ähnlich:

  • e und n — beide zwei kurze Striche
  • c und r
  • u und n — unterschieden nur durch den Bogen über dem u
  • h, f und das lange ſ
  • B und C in Großbuchstaben

Aus „Reuter“ wird so beim Abschreiben „Renter“, aus „Hahn“ wird „Habn“. Wer eine Namensvariante findet, die sich genau durch einen solchen Buchstabentausch erklären lässt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit dieselbe Familie vor sich.

Die Schriftgeschichte in Kürze Deutsche Kurrentschrift war die übliche Schreibschrift bis ins 20. Jahrhundert. Ab 1915 wurde in Preußen die von Ludwig Sütterlin entwickelte, vereinfachte Form eingeführt und verbreitete sich in den 1920er Jahren; 1935 wurde sie als „Deutsche Volksschrift“ verbindlich. Der Normalschrifterlass vom 3. Januar 1941 verbot die gebrochenen Druckschriften, ein Runderlass vom 1. September 1941 untersagte den Unterricht der Kurrentschrift. Ab 1942 galt die lateinische „Deutsche Normalschrift“. Wer nach 1945 zur Schule ging, hat Kurrent nie gelernt — deshalb kann heute kaum jemand die Papiere seiner eigenen Großeltern lesen.

5. Migration verändert Namen

Zieht eine Familie in einen anderen Sprachraum, passt sich der Name an. In preußischen Ostprovinzen wurden slawische Namen eingedeutscht (Kowalski → Kowalk, Jankowski → Janke), teils auch amtlich im Rahmen von Namensänderungsverfahren. In Amerika ging es umgekehrt: Müller wurde Miller, Schneider wurde Taylor, Zimmermann wurde Carpenter — nicht durch Übersetzung von Amts wegen, sondern weil die Familien selbst sich anpassten.

Was daraus folgt

Behandeln Sie den Familiennamen als eine Menge von Varianten, nicht als feste Zeichenfolge. Notieren Sie jede Form, die Ihnen begegnet, mit Fundstelle. Und misstrauen Sie jeder Datenbanksuche, die nur exakte Treffer liefert — sie zeigt Ihnen zuverlässig das, was Sie ohnehin schon wussten.

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