Häufige Fehler bei der Ahnenforschung
Die meisten gescheiterten Familienforschungen scheitern nicht an fehlenden Quellen, sondern an acht wiederkehrenden Denkfehlern.
1. Der gleiche Name ist dieselbe Person
Der teuerste Fehler überhaupt. In vielen Dörfern trugen mehrere Familien denselben Namen, und Vornamen wurden über Generationen weitergegeben — vier Johann Friedrich Schulz im selben Kirchspiel sind keine Seltenheit.
Eine Zuordnung braucht immer ein zweites Merkmal: den Beruf, den Namen der Ehefrau, den Wohnort innerhalb des Ortes, die Paten. Ohne dieses zweite Merkmal ist die Verknüpfung eine Vermutung — und wer darauf zehn weitere Generationen baut, erforscht eine fremde Familie.
2. Rückwärts springen statt rückwärts gehen
Man findet online einen Eintrag von 1720 mit dem richtigen Namen und der richtigen Gegend und beginnt dort. Das geht fast immer schief. Jede Generation muss einzeln belegt werden — sonst hängt die gesamte Linie an einer unbewiesenen Annahme.
3. Fremde Online-Stammbäume übernehmen
Auf Ancestry, Geni, MyHeritage und ähnlichen Plattformen stehen Millionen Stammbäume — viele davon ungeprüft voneinander abgeschrieben. Ein Fehler, der einmal eingetragen wurde, vervielfältigt sich und wirkt durch die schiere Wiederholung bestätigt.
Solche Bäume sind ein guter Hinweis, wo man suchen könnte. Als Beleg zählen sie nicht. Prüfen Sie jede übernommene Angabe an der Originalquelle.
4. Die Konfession übersehen
Wer im evangelischen Kirchenbuch sucht, während die Familie katholisch war, findet nichts — auch wenn beide Bücher denselben Ort betreffen. In konfessionell gemischten Regionen ist das der häufigste Grund für ein vermeintliches Überlieferungsloch. Bei Mischehen wurden Kinder zudem oft nach Geschlecht verschieden getauft.
5. Den falschen Ort durchsuchen
Nicht jedes Dorf war ein eigenes Kirchspiel. Viele kleine Orte gehörten zur Pfarrei des Nachbarortes, und die Zuordnung änderte sich im Lauf der Jahrhunderte. Dazu kommen Ortsnamen, die mehrfach vorkommen: Neustadt, Neuendorf und Hohenwalde gibt es dutzendfach.
Prüfen Sie vor jeder Suche, zu welchem Kirchspiel der Ort im fraglichen Zeitraum gehörte. GenWiki und die historischen Ortslexika helfen dabei.
6. Schreibweisen für feststehend halten
Bis ins 19. Jahrhundert gab es keine verbindliche Schreibung von Namen. Der Pfarrer schrieb, was er hörte. Derselbe Mann heißt im Taufeintrag Kraatz, im Trauregister Krahtz und im Sterbeeintrag Kratz. Wer nur nach einer Schreibweise sucht, übersieht die Hälfte seiner Familie.
7. Nur Kirchenbücher lesen
Kirchenbücher sind das Rückgrat, aber sie beantworten nicht jede Frage. Wenn eine Spur abbricht, liegt die Antwort oft anderswo: in Militärstammrollen mit Geburtsort und Beruf, in Adressbüchern mit Wohnadressen, in Auswandererlisten, in Zeitungsanzeigen, in Grundbüchern und Hofakten. Wer diese Bestände nicht kennt, hält für unerforschbar, was nur woanders steht.
8. Ohne Quellenangabe arbeiten
Es ist verlockend, im Fluss der Recherche einfach weiterzumachen. Zwei Jahre später ist nicht mehr feststellbar, woher eine Angabe stammt — und die gesamte Arbeit lässt sich nicht mehr überprüfen. Ein Stammbaum ohne Quellenverzeichnis hat für jeden außer dem Verfasser den Wert einer Vermutung.